ATKA und AMEN 81 im Lokal, 19.07.2008

vermutlich um die besucherzahlen nicht zu groß werden zu lassen
wurde das für den gestrigen abend angekündigte konzert von AMEN81
kurzfristig in das ‚lokal‘ am rosenthaler platz verlegt. den an-
gekündigten support durften ATKA bestreiten.
auf diese weise wurde ich zwar um meinen ersten besuch im ‚turm‘
gebracht was mich allerdings nicht zu stark ärgerte, denn im
‚lokal‘ war ich vorher auch noch nie.

das ‚lokal‘ in der rosenthaler strasse ist eine konzertkneipe die
mit einem breitgefächerten monatsprogramm aufwartet. von electro
über ska und hc bis zu screamo soll für jede etwas dabei sein.
rechts neben dem eingang gibt es eine seperate tischkickerlounge,
dem stellenwert dieser kneipensportart angemessen.
der standort im hochparterre eines geschäftshauses vermeidet es,
stress mit lärmgeplagten nachbarn zu bekommen (da wohnt niemand
im haus), und die verblüffend wirksame schallisolierung nach
aussen hin komplettiert die schutzmassnahmen.
die preise für getränke sind angenehm niedrig (z.b. bier 2 eus)
und die kunstledersessel von erlesenem sitzkomfort, wie sich rasch
zeigen sollte.

trotz der verlegung um mehrere kilometer waren vielleicht zweihun-
dert leute anwesend, was seinen grund vermutlich darin findet dass
das konzert bestandteil einer soliparty gegen repression und bullen-
terror war und somit für alle darunter leidenden anwesenheits-
pflicht galt; einzig die gezielt angesprochenen crusties hatten
sich mehrheitlich verlaufen. entsprechend anders als von mir
gewohnt zeigte sich die zusammensetzung des publikums. der selbst
bestimmbare eintritt lag zwischen angenehmen vier und sieben eus,
also im rahmen dessen was sonst auch genommen wird.

nachdem die erste band, ATKA, ihre ersten takte erklingen liessen
beschloss ich impulsiv, mir ein bier zu kaufen. dann dachte ich
nach: bin ich fan dieser art von metall? bin ich überhaupt fan von
metall? wie kann ich das geschehen angemessen beschreiben?
im dritten oder vierten song wuchs aus dem vertrackten gefrickel
eine dicke weiche ein-akkord-wand und schleppte sich hypnotisch
durch die nächsten 60 sekunden. da sackte mein blut vom hirn in
den nacken und ich begann mitzunicken. kurz. dann war’s aber auch
schon wieder vorbei, und die alten fragen bohrten wieder in mir.
vom vielen denken wurden mir die beine schwer und ich begab mich
in den hinteren teil des raums, wo ich die eingangs erwähnte be-
stuhlung schätzen lernte.
den leuten hat’s aber anscheinend gefallen, neben vielen grinsen-
den gesichtern gab es auch reichlich freundlichen beifall.
ergebnis meiner grübelei: bin kein metalhead.
berufenere als ich es bin mögen die ‚comment‘-funktion nutzen und
etwas substantielleres beisteuern.

antizyklisch handeln heisst, hingehen wenn alle weggehen. ich also
in der umbaupause vor an die bühne und brav gewartet, bis die zweite
band des abends, AMEN81, soweit ist. und es hat sich ja sowas von
gelohnt! die drei nürnberger gehören für mich zu den besten inlän-
dischen hc-bands überhaupt, wobei ich sie bisher immer nur von vinyl
herab hören durfte. die musikalischen wendungen der letzten jahre
waren immer gelungen, und die texte stechen aus dem sonst darge-
brachten themenkreis heraus. günde genug für ein bisschen vorfreude.
und dann ging’s los:
20 sekunden soundcheck, dann die ersten songs ohne pause aneinander-
gereiht, fand sich bald eine kleine meute ausgelassen tanzender
gäste. der sound wurde immer besser und schnell war der laden ein
feuchtes heisses hardcoreidyll. der drummer/sänger hatte auch
zwischen den songs einen hohen unterhaltungswert und lieferte sich
mit dem gitaristen immer wieder nette kurze dialoge. und dann
wieder ein hc-brett zum mitzappeln. und noch eins. und dann noch
eins. mal ältere, dann neuere, dann mittelalte songs. drei zugaben.
ich bin gar nicht zum nachdenken gekommen. deswegen kann ich auch
nicht so viel schreiben. AMEN81 waren super.
die folgende tanzveranstaltung mit dj’anes etc. habe ich dann aus-
gelassen, ins ’subversiv‘, wo der zweite teil der verlegten soli-
party stattfand, bin ich auch nicht hin. welche dazu was berichten
wollen bitte ‚comment‘ nutzen.
bei den veranstalterinnen möchte ich mich bedanken und gleichzei-
tig meiner hoffnung ausdruck geben, dass ordentlich was in die soli-
kasse gespült wurde.
der abend hat sich sehr gelohnt. das ‚lokal‘ ist eine schöne neu-
entdeckung für mich, da kann gerne öfter was interessantes statfin-
den.

olsen 20.08.08

4 Antworten to “ATKA und AMEN 81 im Lokal, 19.07.2008”

  1. Hi, die Veranstaltung wurde verlegt weil die Betreiber des Turms am Donnerstag kurzfristig eine Absage für’s Konzert bekommen hatten (nachdem sie sich viel zu spät um eine Anmeldung beim Ordnungsamt gekümmert hatten). Die Veranstalter der Soli-Party wären liebend gern im Turm geblieben.

    Ps. Hast du Bilder gemacht?

  2. Henry Crudos Says:

    zu MUSIKE: über geschmack läßt sich schwerlich streiten, aber meine eindrücke liegen genau quer zu olsens😉. ATKA hatte ich vorher noch nie gehört, war aber ordentlich weggeblasen: frickliger (tech?)-death-grind kram, der nicht nur super klang, sondern auch super gespielt war, und vor allem: ballerte, was das zeug hielt. natürlich war da ne dicke portion metal drin, aber ich mag inzwischen auch manches aus diesem bereich und ATKA haben sich dankenswerterweise an die „guten“ metal-geschichten gehalten (selbst das eine speed-metal-zitat an das ich mich erinnern kann hat gepasst). ich war schwer begeistert. AMEN 81 hingegen hatten (z.t. (siehe gitarrensound) selbstverschuldet) mit soundproblemen zu kämpfen und konnten mich leider nicht so weghauen, wie ich es erhofft hatte. eine der eher wenigen bands, die mir auf platte viel besser gefallen als live… natürlich waren die ansagen witzig und einige songs haben den kopf schon ins wippen und die lippen uns litanieren gebracht, aber alles in allem war ich eher enttäuscht. schade.

    zum „TURM“-thema: der springende punkt ist, dass wir bis zum konzert vorher (THE FIGHT, am dienstag) auch noch nie was angemeldet hatten (und auch noch nie stress deswegen hatten). anarcho-punk. insofern hätte es keinen grund gegeben, das ding nicht zuzusagen. hatten uns auch noch nie über eine anmeldung gedanken gemacht (stichwort: „keine kooperation“), und die bullen waren auch immer handzahm und haben sich vom hof treiben lassen.
    am dienstag sind sie dann aber eingeritten und haben auf den anmeldepapieren bestanden („sonst machen wir den laden dicht“) und wir sind sie nur mit ordentlich disko wieder losgeworden, was zur folge hatte, dass sich einige um eine anmeldung für samstag bemüht haben. die ist allerdings aufgrund der kurzfristigkeit und dem anzeigevolumen gegen uns verweigert worden.
    nichtsdestotrotz wollten teile des vereins das ganze immer noch durchziehen und nur evtl. die techno-party in einen anderen raum (keller) innerhalb des turms verlegen, wo nach 1 uhr die ruhestörungsgefahr weniger groß wäre. letzteres hat aus technischen gründen nicht funktioniert und ersteres wurde auf einem plenum abgeschmettert, bei dem die mehrheit des vorstands gegen die durchführung der veranstaltung gestimmt hat. das wurde dann sofort den agenten gemeldet, mit großem bedauern. zum glück hat das ganze ja dann doch noch geklappt. und wird nie wieder vorkommen. aber das ist ne andere geschichte.

  3. @henry:
    die beschreibung zu ATKA passt gut, tech-death-grind…so in der art war das. und der sound bei AMEN81 war am anfang echt nicht soo gut hat sich dann aber verbessert.
    sowas in der art hatte ich mir gedacht. mein einleitungssatz war auch eher humorig gemeint, immerhin war es trotzdem ganz schön voll. ich hoffe / wünsche euch dass es zu einer guten lösung kommt und ihr im turm wieder konzerte machen könnt (damit ich da auch mal hin kann).
    @peter:
    leider hab ich keine fotos gemacht (mein gerät ist sehr langsam im entgegennehmen von ‚knips!‘-befehlen) und mir ist auch niemand sonst aufgefallen welche fotografierte.
    viele grüße
    olsen

  4. and finally here is a summary in english:

    the place where the concert of ATKA and AMEN81 took place at sat 19th was changed soon before opening and this was the reason that i had my first visit of the mitte-placed pub ‚lokal‘ instead of visiting the new neukölln diy-location ‚der turm‘.
    the ‚lokal‘ can be found in the rosenthaler strasse. it is a club/pub for livegigs and offers a wide variety of different styles such as electro, ska, hc or screamo. additionally it has a separate lounge for friends of table-football-matches. it is located in a businesshouse so the danger of getting in trouble with noise-annoyed neighbours is pretty small. prices for drinks are acceptable low (e.g. beer 2 euro) an the chairs are very comfortable.
    probably twohundred people showed up even though the place of the gig changed for some kilometers. maybe this was because the concert was only one part of a greater benefitparty to support the struggle against repression and police brutality. the entrance fee was between four and seven euros; each one could decide for his-/herself the amount of money to spend for this event.
    the first band, ATKA, played their first chords and i wondered if i like this kind of metal, metal in general and how to comment in an adequate way. these dry thoughts made me buy my first beer. then some songs later the band erected a big smooth single-chord-wall of sound and for 60 seconds or so i stopped thinking because my blood went into my neck and made my head nod to the hypnotic beat. but.then.the band continued with its flickering soundstructures and i remembered the old questions. my legs went tired and so i got to know the comfortable easychairs mentioned above. to come to the point: i am no metalhead. but people liked it and ATKA had a lot of applause.
    to act against the trend means arriving when everybody else is leaving. i did so during the change of the backline when i went to the front of the stage. there i waited for the second band this evening, AMEN81. and how worth it was! for me the three musicians from nuremberg belong to the best german hc-bands, and now even as a live-performing band. their changes in style during the past years were adequate and their (political) lyrics are far beyond ‚mainstream‘-hc. after 20 seconds of soundcheck they started playing one song after the other without any breaks inbetween, and when the sound improved there where many people dancing to this band. they played songs form all times of their history and made three ‚encores‘. it is that i stopped thinking so i can’t tell too much about how great the gig was.
    i didn’t go to the other part of the benefit party at the ’subversiv‘ where djanes rocked the dancefloor. i can’t tell you about that, sorry. and i am very sorry that i didn’t take any photos but i promise i will do the next time.
    finally i want to say thankyou to the organizing people and i hope there where plentys of gold and diamonds in the benefit-hat in the end.
    i will return next time if something interesting takes place at the ‚lokal‘ and you should do so, too.

    olsen, 20.07.08

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